Zertifikat

… meinen schulfreien Tag habe ich, trotz des Streiks, gut überstanden.

Als ich abends nach Hause kam, überraschten mich meine Gasteltern mit dem Abendbrot, einer Pizza, Salat und weiteren Leckereien sowie der von mir gekauften Flasche Rotwein, den sie sich gewünscht haben, für meinen letzten Abend in Kiew. So ist es. Meine sieben Wochen Sprachaufenthalt sind nunmehr um. Neben dem gewünschten, süßen Rotwein, kaufte ich für Maksim eine Tafel Schokolade und einen Schokoriegel und für die Mädels, klar, je ein Glas der mehrfach erwähnten, streichfähigen, zarten Schokolade.

Anatoli, Ira und Nastja waren zu Hause, Maksim und Tanja noch fleißig arbeiten.

Wir unterhielten uns und aßen gemeinsam im festlich geschmücktem Wohnzimmer. Später kamen Tanja und Maksim hinzu. Wir stießen mit dem Rotwein an, scherzten und lachten und waren uns dennoch bewusst, dass am nächsten Abend die Routine einkehrt, ohne mich. Meine Gasteltern mussten noch zur Arbeit, so dass sie sich frühzeitig von uns und letztmalig gemeinsam von mir verabschiedeten.

Mit den Töchtern und Maksim liess ich den Abend gut gelaunt ausklingen.

Da ich bereits von Montag bis Mittwoch jeweils eine Stunde länger unterrichtet wurde, hatte ich an meinem letzten Schultag, dem vergangenen Freitag nur drei Stunden Unterricht. Mit meiner Lehrerin verabredete ich mich für 12 Uhr. Als wir uns trafen, erklärte ich ihr meinen Plan, für den letzten Tag. Wir fuhren in ein Restaurant, in welchem wir schon einmal gemeinsam aßen. Natürlich gab es keinen Unterricht. Ich konnte mich in aller Ruhe bei ihr bedanken und überreichte ihr ebenso, wie meiner Gastfamilie, ein Glas mit der Schokolade und etwas Tip.

Anschließend begaben wir uns zur Schule. Auf dem Weg dorthin, bat ich meine Lehrerin, Nina, mit mir Geld zu wechseln. Was bei uns Standard ist, wurde vor Ort zu einem Problem. Bedeutsame Devisen, wie etwa der Euro, britische Pfund oder US-Dollar, werden gerne in die Landeswährung getauscht. Mehrere Banken lehnten einen Rücktausch, eben in Devisen, ab. Der Umtausch eines kleinen Betrages wäre für Inländer, unter dem Vorzeigen des Passes, möglich gewesen. Nina hatte ihren Pass nicht mit. Als Ausländer („Inostranjez“) bin ich vor Ort nicht registriert und darf / kann somit kein Geld zurücktauschen, weder bei den Banken noch bei den zahlreichen Wechselstuben. Für mich war es kein Problem, da ich meine Sprachschule einige Tage zuvor über meinen Wunsch informierte, Geld in US-Dollar umzutauschen. Es hieß jedoch, sie hätten nur große und eben keine, kleinen Geldscheine. Meine rechtzeitige Ankündigung in der Schule, in der auch viele US-Amerikaner/-innen unterrichtet werden, verhalf mir zu den gewünschten Devisen. Offensichtlich konnten sie ihre großen gegen kleinere Geldscheine umtauschen.

In der Schule wurde ich einigen anderen dort Beschäftigten vorgestellt. Raffiniert testeten sie mein erlerntes Wissen, in der russischen Sprache. Später erhielt ich mein Zertifikat. Mir wurde darauf bescheinigt, eine Sprachstufe in einer gewissen Anzahl von genossenen Unterrichtsstunden erreicht zu haben. Ähnlich wie bei mir auf Arbeit, ist es „nur“ eine Teilnahmebescheinigung. Ob inhaltlich alles verstanden wurde oder gar „hängen blieb“, wurde nicht überprüft. Ich vergewisserte mich, ob die Reisevorbereitungen der Schule für mich abgeschlossen sind, verabschiedete mich von allen und zog ein letztes Mal in die Innenstadt. Es wurde angekündigt, dass am Freitag, um 18h, DER Weihnachtsbaum am Maidan -erstmalig in diesem Jahr- eingeschaltet werde. Bei meinem Eintreffen war er noch unbeleuchtet, es war, trotz Dunkelheit, zeitlich noch zu früh.

"Die Passage"

„Die Passage“ – festlich geschmückt

Platz - Maidan, am Freitag, den 19.12.2014

Platz – Maidan, am Freitag, den 19.12.2014

So schlenderte ich den Boulevard entlang und fuhr zu meiner U-Bahnstation zurück. An einem der zahlreichen „Kaffeemaschinen“ trank ich ein letztes Heißgetränk, ging in einem dortigen Einkaufsmarkt Reisebedarf einkaufen und begab mich anschließend nach Hause.

In der Wohnung war niemand. Ich packte meine Koffer. Im lokalen Fernsehen schaute ich mir die Einweihung des diesjährigen Weihnachtsbaum in Kiew an. Es war nicht der letzte Baum, den ich an jenem Tag zu Gesicht bekam. Gegen halb acht Uhr abends traf Nastja ein. Wir aßen gemeinsam Borscht. Mitten beim Essen und unserem Gespräch klingelte das Telefon. Am anderen Ende der „Leitung“ war mein Fahrer, ein Deutscher, mit Wurzeln in Kasachistan, der zur Zeit in der Ukraine lebt. Er kündigte sein baldiges Eintreffen und meine Abholung von zu Hause an. Kurze Zeit später traf Tanja zu Hause ein. Obwohl sie sonst eigentlich frühestens um halb zehn von der Arbeit zu Hause eintraf, schaffte sie es rechtzeitig zur endgültigen Verabschiedung. Viel Zeit zum schnacken blieb nicht. Pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt rief mein Fahrer an und bekundete seine Anwesenheit, vor dem Haus. Sekunden später rief Ira an und verabschiedete sich erneut, nun telefonisch.

Meine Gastfamilie wird mir fehlen, ebenso wie das tägliche, sich „fertigmachen“ im Bad von 5 Menschen, davon drei Frauen, die Gespräche zwischendurch, die schleifenden, klopfenden Geräusche meiner Fahrstühle, die Möglichkeit, an jeder Ecke ein Heißgetränk erwerben zu können und sehr vieles mehr …

Von Nastja und Tanja verabschiedet, begab ich mich schweren Herzens zum Fahrstuhl. Werde ich meine Gastfamilie jemals wiedersehen?

Obwohl ich keine Staubfänger als Präsente eingekauft habe, dafür gibt es ja diesen Blog, wirkten meine Koffer schwerer als vorher. Mit einigen neuen Falten auf der Stirn und diversen Kilos mehr auf den Rippen, fuhr ich vom 15. Stock hinab und lief zum Fahrer.  

Wir unterhielten uns auf deutsch und er fuhr mich in der Dunkelheit zu meinem neuen Ziel …

Eines läuft in Kiew um diese Zeit fast immer: die Nase 😉

 

Wohin mich die weitere Reise führt und was das mit einer „Billiardkugel und einem Haar“  zu tun hat, lest Ihr im neuen Beitrag.

Übermorgen ist bei Euch Heiligabend. Genießt die Festtage und erholt Euch gut!

 

Poka-Poka aus der Ferne !

 

… der Reisende 😉

 

der Reisende präsentiert: XUT Nomer 19 😉

XUT SA XUTOM (Hit auf Hit) – wer hat ihn Euch zuerst empfohlen?