… Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? …

Einige Menschen, außerhalb des Familien-, Freundes- & Kollegenkreis, lesen tatsächlich meinen Blog. Schön zu wissen und vielen Dank für die zahlreichen Nachrichten und Fragen! Hier einige der am häufigsten gestellten Fragen:

1)

Wann hast Du mit den Vorbereitungen für dieses Projekt begonnen ?

Im September 2013. Meine damaligen Anfragen beinhalteten sogar die Krim, die jetzt wieder zu Russland gehört. Im Januar gab es in meinem angesparten Urlaub einen zweiwöchigen Intensivkurs und im letzten Juni die abschließende Testphase, mit dem erwähnten, einwöchigen Sprachkurs in Moskau. Der Testlauf war nicht erforderlich, zeigte mir jedoch, worauf ich achten sollte. Ich habe nicht mehr die Möglichkeit, wegen jeder Kleinigkeit nach Deutschland zu fliegen. Insofern war eine intensive Vorbereitung -für mich- notwendig.

2)

Was hast Du alles mitgenommen ?

Neben der Kamera, dem Tablet, der obligatorischen Reiseapotheke, festes Schuhwerk (sowie Sibirientaugliche Stiefel), (Winter-)Bekleidung und Hygeneartikel, habe ich auch Geschenke für die Gastfamilien eingepackt.

3)

Warum unternimmst Du diese Reise ?

Diese Frage habe ich bereits zu Beginn meines Blogs beantwortet. Die Reise ist ein interessanter Kontrast zu meinem bisher „normal“ geführten, westlich geprägtem Leben(-sstil). Zum einen habe ich die Möglichkeit, vollständig abzuschalten, zum anderen sehe ich etwas neues bzw. anderes. Des Weiteren habe ich Lust, ein wenig die unterschiedlichen Kulturen, der verschiedenen Länder des „Ostblocks“ und jene Bewohner/-innen kennenzulernen sowie, frei von jeglicher Ideologie, die russische Sprache -zumindest im Ansatz- zu lernen.

4)

Gibt es denn Unterschiede zu „uns“ ?

Vorab: ich habe hier weder die „kleinen, grünen Marsmenschen“, noch die „roten Bolschewiken“ bzw. die „rote Zora“ gesehen … 😉 Ja, definitiv. In vielen Dingen sind Unterschiede erkennbar. Im alltäglichen Leben, im Umgang miteinander, z. B.: den weniger aggressiven und „ICH“-bezogenen Verhaltensweisen der Menschen, der Qualität des Essens, usw. Systembezogen kommen die Menschen hier mit erheblich weniger aus, als wir es könnten, ähnlich wie in der ehemaligen DDR. Dafür sind teilweise die Wünsche größer, gelegentlich auch materieller Natur. Die Vergangenheit der ehemaligen Sowjetunion (SU) war konträr zur Bundesrepublik. Die SU bzw. UdSSR bestand früher aus 15 Staaten. Die Sowjetunion war, sehr vereinfacht ausgedrückt, ein ideologischer Verbund. Der „Europäische Union“, kurz: EU („ES“) sind bis heute 28 Staaten beigetreten. Die Unterschiede der Kulturen und Menschen sind selbst in der EU groß. Die EU ist ebenso ein Verbund, jedoch in kapitalistischer Form. Die EU ist ein für den Wirtschaftsbereich geschaffener Marktplatz, in welchem lästige und zusätzliche Kosten – & Zeitfaktoren (Währungsrisiken, Zoll- & Einfuhrbestimmungen, usw.) beseitigt wurden. Risiken, möglicher Kriege einzelner Staaten, wurden reduziert. Die für die Menschen geschaffene Reisefreiheit und die Reduzierung auf eine Währung, ist nur eine Folge der Umsetzung der Wünsche der Industrie. Erst viel später kamen europäische Normen und das einheitliche Recht hinzu. Bis heute spielt in der EU der Mensch, wie in Russland auch, nur die zweite „Geige“, eben nach den Unternehmen, propagieren diverse Menschen auf Versammlungen und im Internet. Die Durchsetzungsmöglichkeiten des Rechts für die Bürger der EU, gegen Behörden oder Unternehmen, sind bei uns jedoch erheblich besser und erfolgversprechender. Zum russischen Recht und Markt kann ich leider nicht viel schreiben, außer subjektive, nicht repräsentative Eindrücke … Ein Beispiel ist, die enorme Werbung der Pharmagiganten. Oft sah bzw. sehe ich im Fernsehen (Belarus, Russland und Ukraine) einem normalen Werbeblock bis zu 12 Spots für Medikamente. Apotheken gibt es, wie bereits geschildert, reichlich. Ein Rezept benötigt man jedoch nur in den seltensten Fällen. Die Menschen sehen die Produkte und kaufen Sie dann, auch wenn sie diese nicht wirklich benötigen. Mir fehlt ein wenig die Präventionsarbeit, die Aufklärung der Bevölkerung. Eine Beratung, wie wir sie von uns kennen, gibt es kaum. Laut Gesetz müssen Pharmazeuten in den Apotheken arbeiten und die Menschen beraten (Verträglichkeit mit anderen Präparaten usw.). Kontrollen sollen äußerst selten erfolgen. Das Business ist zu wichtig. Meiner laienhaften Einschätzung entsprechen derzeit weder der russische Markt noch jenes Recht den europäischen Vorstellungen und Werten. Das gilt jedoch auch für einzelne, künftige EU-Mitgliedsstaaten …

Interessant sind die Errungenschaften in Deutschland, die wir mittlerweile als normal erachten. Dieses Video fand ich hierzu im Netz:

Istzustand in Deutschland!

5)

Warum gerade die Länder im Osten ?

Es sind die unbekannten, neuen Länder, die ein anderes (Rechts- &)Wirtschaftssystem haben. Die Gerüche, Lebensarten, Denk- und Verhaltensweisen sind anders. Andere: Buchstaben, Laute in der Sprache, Produkte, Geschäfte, Vorstellungen …

In der Zone der ehemaligen Sowjetunion darf ich am Leben unterschiedlicher Menschen teilhaben und sie als neutraler, wissbegieriger Beobachter, frei von Vorurteilen, ein Stück begleiten. Die Menschen sind genauso -individuell- wie wir. Aufgrund der jüngeren Vergangenheit, galt hier das Kollektiv mehr, als der Einzelne. Das „Ellenbogenprinzip“ ist hier bei weitem nicht so ausgeprägt, wie in unserer westlichen Welt oder in Deutschland. Beispiele hierfür nannte ich Euch bereits in meinem Blog. Während viele Menschen mit Lebenserfahrung ältere Geräte noch selbst reparieren (lassen), entsprechen die jüngeren dem „typisch“ westlichen Lebensstil. „Erzogen“ durch die Unternehmen und deren psychologisch ausgefeilter „Reklama“ (Werbung), werden sie in sämtlichen Medien „verführt“, Dinge zu kaufen, die sie nicht benötigen und Geld auszugeben, das sie nicht haben. Das klassische Prinzip, des „Gehirn“ ausschalten, wie auch bei uns, läuft gut (an). Die vielen von uns anerzogene Konsum- & Wegwerfgesellschaft wird hier ebenso folgen, wie der Konsum von ungesunden Lebensmitteln oder zum Teil künstlich hergestellten Nahrungsmitteln. Obwohl die Menschen weniger verdienen, als bei uns in Europa, höre ich sie nicht jammern und klagen, wie es oftmals in Deutschland getan wird. Finanzielle Hilfen oder „Geschenke“, wie einige mit Unterton sagen, gibt es in Russland, ebenso wie in den USA, Spanien, Frankreich oder der Schweiz, nur im stark begrenztem Maße oder gar nicht. 

Der „Ostblock“ hat zudem den „unfertigen“ bzw. „improvisierenden“ Zustand. Beides kenn‘ ich. Vergleiche ich die Tschechische Republik oder Polen von vor dreißig Jahren mit heute, hat sich eine Menge verändert. Zum positiven. Städte wie Prag oder Warschau haben sich prächtig entwickelt. Ebenso gut entwickelte sich das Gebiet der ehemaligen DDR. Mit Milliardenzahlungen, finanziert durch Steuerhöhungen und weiteren Abgaben, wurde zum einen das Lebensgefühl und Wohnumfeld der Menschen verbessert, zum anderen der Bauindustrie „Geschenke“ in genannter Größenordnung beschert. Die in Russland aufkommende oder bestehende Korruption haben wir ebenso, beispielhaft sei die damalige „Treuhand“, welche für die Abwicklung der DDR-Betriebe und wertvollen Ländereien verantwortlich war, der Berliner Bankenskandal oder der Flughafen Berlin-Brandenburg-International genannt. Nicht nur unser „Staat“ ist punktuell korrupt, die Privatwirtschaft legt ein ordentliches Tempo vor. „Na Primer“ (zum Beispiel) im Bereich Fussball die Spielwetten oder wieder einmal die liebe FIFA, wie Medien schreiben. Diesmal mit der Vergabe an Qatar 2022 … Insofern reise ich zwar in neue Städte im Osten, indirekt natürlich auch ein wenig zurück, in (meine) Vergangenheit und erkenne diverse Parallen – zu früher und zu den Staaten der EU.

Und das „unfertige“ und „improvisieren“ erlebe ich nicht selten, in meinem kleinen Familienbetrieb. So sind eben die geschaffenen Strukturen, die von den Verantwortlichen nicht geändert werden wollen. 😉

6)

Wie wichtig ist Dir das Erlernen der Sprache ?

Entsprechend der oben genannten Aufteilung, ist mir die Sprache wichtig, zu 33,3 %. Jeweils gleiche Anteile haben die Kultur und die Menschen.

Für mich entscheidend, beim erlernen der Sprache, ist der olympische Gedanke: „Ich war in der Schule, habe alles gegeben …“ 🙂

Zum studieren einer Sprache empfehle den längeren Aufenthalt an einem Ort. Das permanente umher Reisen, wie ich es Euch vorführe, ist hierfür ungeeignet. 

Folgende Auswahlmöglichkeiten für meine Sprachreise bot ich mir selbst: arabisch, chinesisch, hebräisch, lateinisch oder russisch. Diese sollen zu den schwierigsten Sprachen der Welt zählen, heißt es unter Sprachwissenschaftler. Bekanntermaßen entschied ich mich für die letztgenannte Sprache.

… und einen Englischkurs braucht man heute doch gar nicht mehr buchen. Lediglich die Alben von ABBA, den BEATLES oder ROXETTE gekauft, selbst übersetzt und schon kann jeder diese Sprache sprechen. Oder ? 😉

7)

Gibt es viele schöne Frauen im „Ostblock“, wie in Deinen Musikvideos ?

Gegenfrage: Gibt es bei Euch keine schönen Frauen ? Alles nur russische „Propaganda“, sonst würde doch der „Osten“ im „Westen“ für seine  wunderschönen Frauen bekannt sein ! Oder 🙂 Ein zweites „Thailand“ wird es hier wohl nicht geben & mit englisch kommt man hier genauso weit, wie mit portugiesisch. Aber ich werde für Euch einen kleinen Teil, der ehemaligen sowjetischen Zone, im Auge behalten.

8)

Macht sich der Russland – Ukraine – Konflikt für Dich bemerkbar ?

Ja, indirekt. Ich nehme ihn wahr, bekomme ihn jedoch nicht zu spüren. Auf „beiden“ Seiten wünschen sich die Menschen, mit denen ich sprechen durfte, ein baldiges Ende des Krieges. Keine Mutter möchte einen Brief von den staatlichen Stellen erhalten, in dem steht, dass ihr Sohn gefallen ist, er jedoch tapfer für das Vaterland gekämpft hat … Die staatlich kontrollierte und „inszenierte“ Propaganda funktioniert weltweit sehr gut, nicht nur hier.

Ihr wisst ja, zum einen bin ich Beobachter, zum anderen Genießer und denke ich nicht „Passbezogen“, also nur in lokalen Landesgrenzen.

9)

Was vermisst Du am meisten ?

Nichts! Dank moderner Kommunikationsmittel könnte ich mit dem engsten Familienkreis so oft und lang in unterschiedlichen Variationen (eMail, Telefon, SMS oder Videotelefon) kommunizieren, wie ich es wünsche. Die Nahrungsmittel sind lecker und zum Teil weniger be- bzw. verarbeitet sowie künstlich gestreckt, als bei uns in Deutschland. Kleidung und Co. könnte ich mir hier ebenso kaufen. Zumal, ich nehme (leider) nur eine kurze Auszeit. Mir fehlt es hier tatsächlich an nichts und ich benötige keine weiteren Dinge, um glücklicher zu sein, als ich es bereits bin.

 

So, genug gesabbelt bzw. geschrieben. Ich möchte weiterlernen, es gibt viel zu entdecken, außerhalb der virtuellen Welt …

Der nächste Beitrag folgt in Kürze und wird vermutlich etwas für die Herren der Schöpfung sein. Aber lest und entscheidet selbst.

 

der Reisende 😉

 

PS:

Einige meiner spanischen Freunde konnten sich einen „Spruch“ nicht verkneifen, als Reaktion, dass ich Mallorca als „17. Bundesland der Deutschen“ bezeichnet habe. Ok, sorry Ihr Lieben. Nun ist es schon in „Stein“ gemeißelt. Daher hier meine musikalische Entschuldigung, in Form von nicht russischsprachiger Musik. Früher hieß die Band ALMA (Seele), später MOJITO. Hier ihr Hit, Sergio vamos:  

der Reisende präsentiert: einen XUT ohne Wertung 😉

Muchas gracias !