„Wasch Passport, paschalsta“ (Ihren Pass, bitte)!

Meinen Aufenthalt in Kiew beendet, reiste ich mit dem Zug weiter, nach Minsk. In der belarussischen Hauptstadt gönnte ich mir eine Auszeit vom Unterricht. Meine Eindrücke schilderte ich Euch im letzten Beitrag. Die Reise ging jedoch weiter und so durfte ich, nach einem aufregendem Abend, zum Bahnhof gefahren werden und sitze nun im Zug …

DSC00965

Mein Abteil.

Mein Abteil …

... mit ausreichendem Stauraum, wenn man alleine fährt.

… mit ausreichendem Stauraum, wenn man alleine fährt.

Mein vorübergehende Ruhestätte.

Meine vorübergehende Ruhestätte, links unten, in Fahrtrichtung.

Der Zug kam aus Moskau und fuhr zu meinem Zielbahnhof. Das Gepäck in mein Abteil gestellt, habe ich erst einmal für Euch einige Bilder aufgenommen. Ich hatte Glück, war ich doch in diesem Viererabteil der erste Fahrgast und konnte mich somit ein wenig ausbreiten. Eine junge Schaffnerin wies mich vor der Abfahrt auf die Regeln des Zuges (wovon ich auch nur zwei Worte verstand) und die für mich bereitgestellten (eingeschweißten) „Tapatchki“ (Hausschuhe bzw. -latschen) hin. Anschließend bot sie mir einen Tee an, den sie mir später ans Bett bzw. ins Abteil brachte 😉 . Sorry, derzeit hat das einen Seltenheitswert, weshalb dieser Vorgang in meinen Notizen Erwähnung finden darf.

Meine Matratze für die Nacht hergerichtet, machte ich mich bettfertig, schaltete das Licht aus und genoss die Abfahrt, schlürfend, mit einem frischen, heißen Tee.

Interessanter Becher, mit heißem Tee.

Interessanter Becher, mit heißem Tee … JA, den Becher musste ich wieder abgeben!

Ausnahmsweise sollte ich einmal Glück haben, blieb ich in dieser Nacht der einzige Fahrgast, in meinem Abteil.

An Schlaf war natürlich nicht zu denken, ebenso wenig wie an den Besuch des Bordrestaurants. Mir könnte ja jemand etwas in die „Tasche“ stecken. Doch auch bei dieser Zugfahrt wurde mir keine Telefonnummer zugesteckt … 😉

Der „Poesd“ (Zug) fuhr auf besser werdenden Gleisen und das hin- & her schaukeln nahm allmählich ab. Der Himmel war wolkenlos, sternenklar. Draußen gebe es Frost, meinte die Schaffnerin in einer der Pausen. Nach einigen Bahnhöfen hielten wir das erste Mal an der Landesgrenze, hatte ich doch vor, Belarus zu verlassen. Die Personen – & Gepäckkontrolle erfolgte erwartungsgemäß. Die Belarussen behandelten mich, ebenso wie die anderen, sehr freundlich. Schikanen oder ähnlichem war ich nicht ausgesetzt, das hängt natürlich auch vom eigenen Verhalten ab. Licht aus und weiter ging es, nach der bekannten Wartezeit, mit der Fahrt.

Der nächste Halt war bereits in Litauen, in der europäischen Union. Die Prozedur begann erneut: Passport, Klamotten, Zollangaben …

Während der Wartezeit begann es zu schneien. Es war mein zweiter, kräftiger Schneefall in diesem Winter, den ich genießen durfte. Leider hielt er nicht an, bis zu meinem Ziel. Bevor ich geistig meinen Schneemann, auf dem einsamen, derzeit nur mit den Grenzschützern „besetzten“ Bahnhof, erschaffen konnte, gab es schon den Pfiff der Bahnhofsaufsicht. Der Zug setzte seine Fahrt fort und ich legte mich hin und blickte hinaus zu den Sternen.

Ich muss wohl eingeknickt sein. Als ich zu mir kam, bemerkte ich, dass erneut Grenzschützer im Zug waren, die ihren Aufgaben nachkamen. Gerade erst in der „ES“ (EU) angekommen, war ich nun auf dem Sprung, sie wieder zu verlassen. Die Grenze wohlbehalten passiert, befand ich mich kurze Zeit später am Grenzübergang Nesterov. Richtig, nun hielt ich mich in der Oblast Kaliningrad auf, welches wieder russisches Hoheitsgebiet ist. „Wieder“ zum einen, weil ich im Juni d. J. in Moskau, also in Russland war und zum anderen Kaliningrad früher eine gewisse Zeit russisches Gebiet gewesen sei. Die Stadt hieß auch einmal Königsberg …

Die letzte Strecke meiner Zugfahrt dauerte ungefähr zwei bis drei Stunden, reiste ich doch fast vom östlichsten Zipfel der erwähnten Oblast ein. Ziel war die namensgebende Stadt: Kaliningrad, also weit im Westen der Exklave. Gegen Mittag traf ich dort ein. Etwas erschöpft von der Reise und dem Schlafmangel, startete meine nächste Etappe. Die Direktorin persönlich holte mich vom Bahnhof ab und fuhr mich zur Schule. Dort begrüßte mich die Managerin. Eine Frau, die Anfang 30 ist, zehn Jahre in Deutschland lebte und dort Germanistik studierte. Da man sie in Deutschland nicht (behalten) wollte, ging sie nach Russland zurück, wie sie sagte. Scheinen die Medien Recht zu behalten und viele intelligente Menschen kehren Deutschland den Rücken und die armen Menschen wandern zu uns (ein) und halten die Hände auf ??? „Billige Polemik“ der Medien oder ist daran ein Fünkchen Wahrheit? Egal, zurück zum Thema.

Haupthalle des Kaliningrader Südbahnhofs

Haupthalle des Kaliningrader Südbahnhofs

Nach einer kurzen Einweisung in der Schule und dem überreichten Stundenzettel, wurde ich zu meinen neuen Gasteltern gefahren. Das Quartier befindet sich in der Parallelstraße der Schule und ist fußläufig innerhalb von fünf Minuten erreichbar.

Dort angelangt, wurde ich dem Gastvater vorgestellt. Er heißt Nikolei. Er wohnt in einem älteren Einfamilienhaus. Nikolei zeigte mir sein und mein neues Reich. Wir begaben uns hierzu in den ersten Stock.

Rückblick:

In Moskau wohnte ich bei einer dreiköpfigen Familie, in zwei Zimmern, plus kleiner Küche und engem Bad, inklusive Toilette. Das Zimmer der Tochter durfte ich beziehen. Die Größe der Wohnung schätze ich insgesamt auf 50 Quadratmeter ein.

In Kiew durfte ich ich bei einer fünf- (fast sechs-)köpfigen Gastfamilie wohnen. Auch sie wohnten auf engstem Raum, in drei Zimmern, zuzüglich kleiner Küche, kleinem Bad und separater Toilette (Raumgröße: gefühlt 50 cm x 50 cm, wenn man einmal saß, dann saß man dort eben und kam so schnell nicht wieder hoch, bei meiner Körperfülle). Eine Tochter überließ mir dort ihr Reich und die Gastfamilie zwängte sich in die anderen zwei Räume hinein. Die Gesamtgröße der Wohnung beträgt ungefähr 70 Quadratmeter.

 

Meine jetzige Wohnmöglichkeit ist genau das Gegenteil. Die gesamte erste Etage, mit eigenem Wohn- & Schlafbereich, separater Küche und Badezimmer gehört mir allein. Vereinfacht könnte man sagen: eine vollausgestattete Ferienwohnung ist nun mein eigen. Das Badezimmer ist fast so groß, wie mein Schlafzimmer zu Hause und verfügt zudem über eine Fußbodenheizung. So etwas habe noch nicht einmal ich in meiner einfachen, kleinen Wohnung, in Deutschland. Dieser Luxus ist sehr angenehm, haben wir doch derzeit hier „sima“ (Winter) 😉 .

Meine Küche ...

Meine Küche …

... und mein Schnarchzimmer.

… und mein Schnarchzimmer.

Nach den einweisenden Worten von Nikolei genoss ich meine Ankunft, machte es mir bequem und entspannte mich ein wenig von der Reise. Spontan kam ich zu dem Entschluss, dass ich meinen Privatunterricht in den Räumlichkeiten der naheliegenden Schule genießen möchte und nicht wie gebucht, zu Hause. Am Nachmittag begab ich mich zur Schule und bekundete meinen Wunsch. Natürlich kam ich damit auch der Schule entgegen, die ihr Personal  nicht permanent pendeln lassen muss, zur Schule, zu mir und „obratna“ (zurück). Das nunmehr zuviel gezahlte Geld ließ ich mit einigen zusätzlichen Unterrichtsstunden verrechnen.

Nach einem längeren Schwätzchen mit der Managerin der Schule, leider auf deutsch (weil ich nur wenige russische Worte kenne), begab ich mich nach Hause. Anders als in Moskau und Kiew, bin ich hier nicht beim zubereiten der Speisen zugegen. Mir wird das reichhaltige Abendbrot und Frühstück auf einem Tablett in der Küche serviert oder persönlich überreicht.

Gegen 19 Uhr erhielt ich mein erstes Abendessen von Nikolei. Nun saß ich hier, in Kaliningrad, weit weg von der Familie und den Freunden. Anders als in Moskau und Kiew, aß ich nun alleine mein Abendbrot. Am Tisch, in der Küche sitzend, blickte ich auf die letzten Wochen zurück.

So werde ich weiter als einsamer, grauer Wolf unterwegs und auf der Jagd sein, um Eure grenzenlose Gier nach Neuigkeiten und aktuellen Bildern zu befriedigen und Euch mit jenem Wissen häppchenweise zu versorgen …

 

Was machte ich am Heiligabend, wer gehört zu meiner Gastfamilie und wer ist diese neue, fremde Frau in meinem Leben, die Elena heißt ?

All‘ dies ist derzeit nicht wichtig. Heute ist der letzte Tag des Jahres 2014. Genießt ihn und passt schön auf Euch auf !

 

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein gesundes, neues Jahr 2015 !!!

 

Poka!

 

… der Reisende 😉

 

der Reisende präsentiert: XUT Nomer 21 😉

Mehr Bilder, mehr Infos, mehr Musik –> Russia 2015 . de

 

PS:

Die Antworten auf die gestellten Fragen gibt es hier: peu a peu – im nächsten Jahr. 🙂