Himmel Donnerwetter

„Поздравляю с Новым Годом! Желаю учачи!“ (Glückwünsche zum neuen Jahr! Alles Gute bzw. viel Erfolg!)

 

 

Die Tage vergehen auch in Kaliningrad wie im Fluge. Bin eben gerade, am 22. Dezember des letzten Jahres, in der namensgebenden Stadt der Oblast eingetroffen. Heute ist schon der 7. Januar.

Was geschah hier, am Nabel der Welt ? „Nitchewo“ (Nichts).

Einen Tag nach meiner Ankunft musste ich mich erst einmal auf die neue Schule und die Lehrerinnen einstellen. Meine Dozentinnen heißen Marina und Olga. Stunden – oder tageweise werde ich von der einen und / oder der anderen Lehrerin unterrichtet. Im Vordergrund steht zunächst die Phonetik. Die Grammatik wird zusätzlich gelehrt. Die Unterschiede in der Wissensvermittlung sind merkbar. In der deutschen Sprache haben wir bekanntermaßen vier Fälle, in der russischen sind es sechs, in der ukrainischen gar sieben Fälle. Kurzum, alles Erlernte muss umgezwitscht bzw. neu eingeprägt werden. Für Euch, im Land der ‚Dichter, Denker & Lenker‘, interessant … oder ? 🙂

Zwei Wochen sind nunmehr ins Land gezogen. Ich wiederhole „kaschdi den“ (jeden Tag) den Unterricht zu Hause und die Vokabeln aus Kiew. Nein, das ist natürlich nicht wahr. 😉 Das Heißgetränk kann ich jedoch schon problemlos im Cafe bestellen, wenngleich die Nachfragen der Kellnerinnen von mir nicht verstanden werden, auch weil sie schnell sprechen. So what, es ist ja nicht nur die Sprache, die Bestandteil der Reise ist. Der Weg bzw. die Reise ist das Ziel! So genieße ich jeden Tag, als wäre es mein letzter. Leider sieht man mir das auch an, in jeglicher Hinsicht. C’est la vie !

Neben dem mangelnden Ehrgeiz, noch mehr zu lernen, habe ich mich nunmehr an meine Gastfamilie gewöhnt. Am ersten Abend fragte ich Nikolei, nach dem Abendessen, warum wir nicht gemeinsam essen. Sie würden arbeiten, antwortete er. Sofern es möglich ist, könnten wir dies machen, ergänzte er. Das erinnerte mich an den VIP-Status, wenn um einen herum alles abgeschirmt wird bzw. Rapunzel im Turm das Essen gereicht, jedoch kaum mit ihr gesprochen wird. Am Heiligabend war es soweit. Nikolei rief mich. Statt mir mein Abendessen zu überreichen, fragte er mich, ob ich unten, bei ihnen, Abendbrot essen würde. Dies bejahte ich. Ich begab mich in die Stube meiner Gasteltern. Sie wohnen unter mir, im Erdgeschoss (wer weiß, was sie alles hören und wie viele versteckte Kameras hier installiert sind …). Ihre Wohnung ist sehr einfach und zweckmäßig eingerichtet. Ähnlich wie mein Quartier zu Hause, nur sauberer. Die Wohnung meiner Gasteltern war nicht festlich geschmückt. Endlich lernte ich die Ehefrau von Nikolei kennen. Sie heißt Natascha und arbeitet in einer Apotheke. Apotheken gibt es in der Ukraine und in Russland (Wolgograd, Moskau und Kaliningrad) wie bei uns die „Spätis“ und Dönerläden. Nikolei arbeitet im Hafen, erzählte er einmal. Er selbst sei Ukrainer, Natascha ist Russin. Die Gespräche führten, nach der Kennenlernphase, in die politische Ebene. Sie waren erstaunt, dass die Menschen, die ich in der Ukraine kennenlernen durfte, weder ein Gräuel auf mich, der in ihrem Land die russische Sprache erlernte, noch auf die Russen selbst haben. In den Medien werde es hierzulande etwas propagandistisch, also anders, dargestellt, hieß es. Das Abendessen, mit dem ersten, längeren Gespräch, ging bis in die Nacht hinein. Kinder(-fotos) habe ich keine gesehen, aber auch nicht danach gefragt …

 

Der aktuelle, werktägliche Tagesablauf ist ähnlich dem in Kiew, nur dass ich alles knapp eine Stunde nach hinten versetzen lassen habe. Wie erwähnt, laufe ich die ca. vier bis fünf Minuten täglich zu Fuß zur Schule. Dort lernte ich andere Studenten kennen, ähnlich wie in Kiew. An meiner letzten Schule waren es Menschen, die in einer Botschaft arbeiten oder aus den USA kamen. Sie lernen aus unterschiedlichen Gründen russisch. In Kaliningrad gibt es derzeit nur wenige Studenten. Aktuell aus Holland, Spanien und ebenso aus den vereinigten Staaten. Zur Erweiterung und Verfestigung der Sprachkenntnisse scheint es üblich zu sein, „erweiterte“ lokale Bekanntschaften zu schließen. Doch mit diesen langweiligen Details möchte ich nicht Eure kostbare Lebenszeit rauben. Wiederholte praktische Anwendungen und das Vertiefen der angeeigneten Kenntnisse, könnten durchaus interessant sein. Die ErFolge(n) daraus könnten beträchtlich werden.

Bei so viel Lernen sollte auch Zeit bleiben, sich zu erholen („atdichatsch“). Am letzten Sonntag, vor Sylvester, begab ich mich auf die Straßen, der von mir derzeit bewohnten 500.000 – Seelengemeinde (noch einmal soviel Menschen würden in der restlichen Oblast leben). Es war ein kühler und schöner Tag. Mit dem Marschrutka fuhr ich in die Innenstadt und ging von dort aus die mir zuvor ausgesuchte Strecke entlang. Die Sprachschule spendierte mir am Begrüßungstag einen Stadtplan. Die nachfolgenden Aufnahmen entstanden an jenem Tag. Meine „Ausrede“ für die schlechte Bildqualität ist diesmal der neue, starke Schneefall. Mein dritter, auf dieser Reise. Mit der kurzen Nacht hatte das nichts zu tun. Und so lief ich … bis ich unter anderem wieder bei klarem Gedanken war und mein Körper den Wunsch der Nahrungsaufnahme vermeldete. Ein Cafe-Restaurant, welches vom Namen her „Wiener Art“ ist, hielt nicht das, was ich mir vorstellte. Nach einer kurzen Aufwärm- Stärkungs- & Regenerationsphase ging es ab nach Hause.

Neu errichtetes "Fischerdorf"

Neu errichtetes „Fischerdorf“, nach altem Vorbild.

Ein Spanier, der im „17. Bundesland der Deutschen“ ( 😉 ), auf Mallorca lebt, studiert mit mir derzeit an derselben Schule russisch. Da er unter anderem deutsch spricht, unternehmen wir oft etwas gemeinsam. Am Sylvesterabend fuhren wir mit einem der letzten Marschrutkas in die Innenstadt. Mit Absicht kauften wir keine Karten im Vorverkauf für ein Restaurant. Sehr viele Restaurants waren geschlossen. In wenigen von ihnen waren von außen eingedeckte Tische erkennbar, die zu jenem Zeitpunkt geschlossen waren. Wir liefen die Straßen entlang. Interessiert lauschte ich Jose, so heißt er, der mir die Bräuche Spaniens, für den Sylvesterabend, schilderte. Von uns aufgesuchte Hotels, egal ob der 5 Sternekategorie oder niedriger, boten keine Kaltgetränke an oder die Bars hatten nicht (mehr?) geöffnet. Nach diversen Örtlichkeiten fanden wir eine, die unseren (einfachen) Ansprüchen genügte. Der Jahreswechsel verlief entspannt und der örtlichen Gegebenheit angepasst. In dieser Nacht hatte ich durch die Knallerei das Gefühl, dass Kaliningrad angegriffen wird. Aus sicherer Entfernung und leiser Umgebung verfolgte ich die Aktivitäten in der Außenwelt. In Deutschland gibt es einige Böller, die laut sind. Menschen, mit dem Bedürfnis nach „mehr“, kaufen gelegentlich Knallkörper im Ausland. Umgangssprachlich die sogenannten „Polenböller“. Diese sind etwas lauter. Die hier in Russland gehörten Knallkörper, nicht nur um Mitternacht, stellen selbst die soeben erwähnten Böller weit in den Schatten. Nicht nur am Himmel gab es in jener Nacht Blitz und Donner, auch am Boden. Beängstigend, wenn man die Verletzungen am 1. Januar sieht, von eben jenen Menschen, die nicht aufpassten, beim Umgang mit diesen gefährlichen Sprengkörpern …

"Fischerdorf," Teil 2

„Fischerdorf,“ Teil 2

Die Schule hatte in der vergangenen Woche nur am Montag und Dienstag geöffnet, so dass die Erholungsphase sehr angenehm war, die Lernphase bewusst zu kurz kam. Ich habe ja Urlaub, gel ? Am 2. Januar war es, wie am Heiligabend, verregnet. Hinzu kam ein kräftiger Sturm. Es „schüttete aus allen Kübeln“ und „donnerte gewaltig“. Ein unangenehmes Wetter. Ihr kennt das. Die Fenster werden durch den starken Wind gegen die gummierten Abdichtungen der Fensterrahmen gedrückt. Die Regentropfen prallen gegen die Scheiben und Fenterbretter. Es sind jene Momente, in denen die Hunde aufstehen, zum Fenster bzw. zur Balkontür gehen, hinausschauen und den Geräuschen lauschen. Anschließend kehren sie um, drehen sich drei mal im Kreis und legen sich wieder hin. Mit einem Seufzer genießen sie die sichere und wohlig warme Umgebung. Nicht selten nehmen Frauen eine Strickjacke und ziehen sich diese an, obwohl es in der Stube warm ist. Es ist jenes Gefühl der Wärme und Behaglichkeit. Eben an diesem Tag hatte ich Appetit auf ein Heißgetränk. Ich zog mich an, setzte meine Mütze auf und blickte in den Spiegel. Entsetzt sah ich einen alten Mann, mit vielen, teils grauen Haaren im Gesicht. Ich konnte den Anblick nicht lange ertragen, schaltete das Licht aus und machte mich auf den Weg, in mein lokales Stammcafe. Der Wind war so kräftig, dass ich mich mit meinen Oberkörper leicht nach vorne beugen musste, um voran zu kommen. Meine Gesichtshaare verfingen sich im Pelz der aufgesetzten Kapuze meiner Jacke. Am Ziel angelangt, nahm der Sturm ab. Und wieder genoss ich den Augenblick. Die Menschen, den Trubel um mich herum und einen heißen Kräutertee mit einer frischen Zitronenscheibe …

Weiß noch net

Turm „Dohna“, ehemalige Festungsanlage. Der Bau begann um 1626 und endete mit den Modernisierungsarbeiten 1945, Haupteingang. Heute befindet sich darin das Bernsteinmuseum.

... zugeschneiter Graben ...

… Seitenansicht links, des erwähnten Turmes, mit zugeschneitem Festungsgraben …

... mit einem leckeren Festtagsbraten ... leider nicht für mich ...

… einem leckeren Festtagsbraten … leider nur nicht für mich …

Seitenansicht rechts.

… und hier die Seitenansicht rechts.

Teil der ehemals großen Verteidigungsanlage "Kronprinz"

Teil der ehemals großen Verteidigungsanlage „Kronprinz – Friedrich des Großen“ …

... weiterer Teil "Kronprinz"

… weiterer Teil „Kronprinz“ …

Bastion

Grolman – Bastion

... verschlossen ...

… Zugang zur Grolman – Bastion: verschlossen …

"Königstor"

„Königstor“

"Sackheimer Tor"

„Sackheimer Tor“ – heute ein Museum

"Königsberger Dom"

„Königsberger Dom“

Skulptur zweier unbekleideter Menschen (Frau und Mann) direkt neben der Kirche. Ein Wink mit dem Zaunpfahl ?

Skulptur zweier unbekleideter Menschen (Frau und Mann), direkt neben der Kirche. Ist das der „Wink mit dem Zaunpfahl“ für mich, nach dem durchlaufenem „Märchenwald“, dem „Wunschbaum“, dem Kuss mit der verwunschenen „Kröte“, der „Hochzeitskutsche“, dem Mistelzweig und den vielen Kirchen ? Doch wer würde heut‘ zutage noch einen verschuldeten, voluminösen Studenten, in Zeiten des Konsumrauschs, „Fassaden-“ und „ICH“-Denkens nehmen wollen? Richtig: mein Arbeitgeber und mein Cheffe – Danke … 😉 !

Am letzten Sonnabend unternahmen wir Studenten, unter Leitung der Schule, geführt durch einen ortsansässigen Guide („Gid“), eine Stadtrundfahrt. Aufgrund des schlechten Wetters war diese nur sehr kurz. Ebenfalls im Schulpreis enthalten, war der Besuch einer Kirche, dem Königsberger Dom. In diesem lauschten wir den Klängen von Johann Sebastian Bach und Anderen, die auf der Orgel vorgespielt wurden. In der Kirche war es ruhig, bis auf die schreienden Babys.

Mistelzweig, neben dem Dom

Mistelzweig, neben dem Dom

Orgel im Dom

Orgel im Dom

Anschließend trennten sich unsere Wege. In einem naheliegendem Cafe schlürfte ich ein Heißgetränk. Später ging es nach Hause.

 

Damit es für Euch heute Nacht nicht zu schlüpfrig wird und Ihr noch (ein-)schlafen könnt, schließlich ist hier Weihnachten und es ist bereits 1.15 Uhr, bei Euch in Deutschland 0.15 Uhr, schreibe ich erst beim nächsten Mal etwas zu den Themen:

Was für mich ein wenig ungewohnt ist, ob und welche Frauen „Hand“ an meine Unterwäsche gelegt haben und na klar, welche Rolle Elena aktuell für mich „spielt“.

Natürlich nur, sofern Interesse besteht! Möchtet Ihr mehr erfahren ???

 

 

Gute Nacht aus Kaliningrad und bitte achtet weiterhin schön auf Euch !

 

… der Reisende 😉

 

der Reisende präsentiert: XUT Nomer 22 😉

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