Der erste Schnee

Nur wenige Stunden vergingen, als ich den letzten Beitrag veröffentlichte. Nach einer sehr kurzen Nacht und dem frühen klingeln meiner Wecker, korrigierte ich noch einen kleinen Teil meiner fehlerhaften Artikel. Als ich schlaftrunkend aus dem Fenster sah, fühlte ich, heute wird ein schöner Tag. Nachdem die beiden Töchter erwachten, frühstückten wir gemeinsam. Sie waren neugierig und wollten wissen, was ich gestern spannendes unternommen habe und was für heute ansteht. Ich schilderte ihnen meine Erlebnisse und zeigte ihnen die neuen Bilder – ihrer Stadt. Maksim, der Ehemann von Nastja (Schwester von Tanja) und meine beiden Gasteltern waren bereits auf Arbeit. Gegen Mittag machte ich mich fertig und verließ die Wohnung.

Ich lief zum U-Bahnhof, sah unterwegs auf einem Spielplatz viele spielende Kinder und hörte, wie sie lautstark lachten. Ihre jungen Eltern saßen abseits, unterhielten sich oder konsumierten ein Heißgetränk. Unter meinen Schuhsohlen knirschte es leise. Am frühen Morgen fing es an zu schneien, hieß es im Radio. Plötzlich flog ein Schneeball sachte an mir vorbei und traf einen kleinen Jungen an der Schulter. Er lachte und knetete selbst Schnee zu einem Schneeball zusammen. Ich lief weiter und sah, wie einzelne Erwachsene ihre Fahrzeuge punktuell vom Schnee befreiten. Im Fonds eines Fahrzeug saß ein lächelndes Kind, mit leuchtenden Augen und eine Frau lud einen Schlitten in den Kofferraum.

Die Metro war nahezu genauso voll, wie an jedem anderen Werktag auch. Als erstes fuhr ich heute erneut zur „Funiculer“, um vor Ort Fotos von der Seilbahn bei Tageslicht anzufertigen.

Haupteingang

Haupteingang

Funicular - am Tag

„Funiculer“ – am Tag

Die Strecke am Tag ...

Die Strecke am Tag …

Zu Fuß ging der heutige Spaziergang zu dem bekannten „Andreassteig“ und dem „Schloss Richard Löwenherz“, welches nicht begehbar war. Obwohl es keinerlei Ähnlichkeiten hat, erinnert es mich an den weltbekannten Film: „Drei Haselnüsse für Aschenbödel …“. Der Film ist mittlerweile über 40 Jahre alt und werde jedes Jahr zu Weihnachten mehr als zehn mal ausgestrahlt, allein im deutschen Fernsehen.

St. Andreaskirche, Namensgeberin der Straße

St. Andreaskirche, Namensgeberin der Straße

Andreassteig

Andreassteig – mit eingehüllten Souvenirständen

Schloss Richard Löwenherz

Schloss Richard Löwenherz – am Andreassteig

Trotz einiger Lokalitäten war ein Cafe nach meinem Geschmack nicht dabei und so zog es mich weiter. Vorbei an Einheimischen, Gewerbetreibenden mit ihren feilgebotenen Waren und Touristen, Klängen nationaler und internationaler (Weihnachts-)Musik sowie unterschiedlichen Gerüchen. Ich bog in eine ruhige Seitenstraße ein.

... Kirche an Kirche ...

… Kirche an Kirche …

Auch dort entdeckte ich eine der zahlreichen Kirchen, die sogar bewacht wurde. Kurz darauf war ich auf einer Haupstraße und kam direkt auf die Seilbahn zu. Mit der Metro ging es Richtung Norden zur Haltestelle Minsk (Station 211) und anschließend zur Endhaltestelle der M 2 (blaue Linie, Station 210). Dort gab es einen sehr großen Markt, der zum schlendern einlud. Ein schönes Cafe entdeckte ich jedoch wieder nicht. Das Stadtzentrum war nun mein neues Ziel.

Neubauten an der Metrostation Minck

Neubauten an der Metrostation Minsk

Die Wartezeiten auf die Metro, mit ca. vier bis fünfeinhalb Minuten am Wochenende, sind im direkten Vergleich zur deutschen Bundeshauptstadt erstklassig. Werktags warte ich ca. eineinhalb bis zweieinhalb Minuten auf den nächsten Zug. Mit der Metro ging es nun weiter zum „Maidan Nezalezhnosti“ (Station 217).

Direkt am Maidan angelangt, flanierte ich wieder einmal auf der Chreschtschatyk entlang. Es kommt hier allmählich vorweihnachtliche Stimmung auf, obwohl noch keine Festtagsbeleuchtung eingeschaltet ist. Städtische Mitarbeiter sind bemüht, den frischen, leichten Schnee vom Gehweg zu beseitigen und schütten ihn auf einen Haufen. Die Kinder warteten, bis die Angestellten an anderer Stelle ihre Arbeit fortsetzten und sprangen in den Schneehaufen. Andererorts wurden die ersten Schneemänner gebaut. Straßenmusiker gaben ihr Bestes, mit Klängen von den Beatles oder Dire Straits. Ein anderer Musiker interpretierte Werke von Eros Ramazotti. Die Menschen blieben stehen und lauschten den Künstlern. Einige Zuhörer zückten ihr Portemonaie und spendeten den Musikern einige Geldscheine. Vorbeilaufende Passanten, mit einem Heißgetränk in der Hand, erinnerten mich an mein eigentliches Ziel. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdeckte ich ein Cafe, einer hier bekannten, russischen Kaffeekette.

Die Straßenmusikanten ... @ work

Die Straßenmusikanten … @ work

Chreschtschatyk - heute Abend

Chreschtschatyk – heute Abend

An der Tür wies mich eine freundliche, junge Frau auf mehrere, freie Sitzmöglichleiten, des gut besuchten Cafes, hin. Ich zeigte in eine Richtung und wurde von ihr an einen Platz geführt. Neben mir saß ein junges Paar und unterhielt sich. Entspannt studierte ich die ukrainische Speisekarte und bestellte in gebrochenem russisch zunächst einen Capuccino double und ein Wasser, wenig später ein Stück Torte. In der Wartezeit holte ich meine Vokabelkarten heraus, die ich zum lernen mitführte und wiederholte die neuen Worte. Kurze Zeit darauf kam eine junge, blonde Frau herein. Sie legte ihren „Palto“ (Mantel) ab, setzte sich, bekleidet nur mit einem kurzem „Plate“ (Kleid) und Kniehohen Stiefeln, an den Tisch neben mir, zu dem jungen Paar. Sie unterhielten sich. Der Anstand und die mir anerzogene Hilfsbereitschaft, ihr präventiv ein Kleidungsstück von mir, für die endlos langen und zarten Beine anzubieten, zum Schutz vor einer möglichen Erkältung, schluckte ich mit dem zwischenzeitlich servierten, heißen Cappuccino herunter. Auf das Wesentliche konzentriert, ignorierte ich das Gelächter und Gespräch vom Nachbartisch und übte mehr oder weniger fleißig weiter …

Nach einem zweiten Heißgetränk, gefühlt zahlreich gelernten Vokabeln später, bereits von meinen Tischnachbarn verlassen und von einer fünfköpfigen Altherrenrunde an meinem anderen Nachbartisch eingeengt, verlangte ich die Rechnung. Es wurden nur 126 Griwna (ca. 6,63 €, zuzüglich Trinkgeld), sehr wenig, für einen guten Service, einer angenehmen Athmosphäre und einer excellenten Lage. Einheimische verdienen hier in Kiew im Durchschnitt jedoch nur 5.000 bis 7.000 Griwna (263,- bis 368,- €). Große Ausflüge und teure Anschaffungen sind somit für viele Ukrainer nicht drin.

Gut gestärkt, bummelte ich noch ein wenig über den Chreschtschatyk und wunderte mich, wie vorbeilaufende Frauen mit ihren hohen Stiefeln und Centstückgroßen Absätzen noch bei dem Schnee laufen können, während sich vereinzelt andere, mit normalen Schuhen, auf die Kauleiste legten.

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DSC00327Mit neuem Bildmaterial für Euch begab ich mich nun nach Hause.

 

Mit Borscht (ukrainisches – nicht russisches Gericht), einer selbstgemachten Pizza sowie frisch zubereiteten Salaten, verwöhnten mich heute beide Töchter zum Abendbrot.

Wenige Vokabeln später, sitze ich nun hier an diesem Beitrag. Knapp drei Stunden vergingen, bis dieser Artikel fertiggestellt wurde und veröffentlicht werden konnte.

 

Eines war es heute ganz gewiss: ein herrlicher (Sonn-)Tag.

 

Gute Nacht in die Heimat  & eine entspannte Vorweihnachtszeit !

 

… der Reisende 😉

 

der Reisende präsentiert: XUT Nomer 14 😉

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