Жизнь („Schisn“ – Leben) heißt Freude …

… und Liebe sowie Trauer und Leid.

Die beiden „Hundebabys“ traf ich auf einem meiner Ausflüge. Sie sahen, dass weitere Menschen und ich an ihnen vorbeiliefen. Die zwei trauten sich hinter ihrem schützenden Zaun hervor. Sie schmusten und spielten, rauften sich und rannten umher. Sorglos genossen sie den Augenblick. Ohne Gegenleistung von uns Menschen posierten sie, Alex und Ivan – für diesen einen Schnappschuss.

Ein Moment, in dem selbst einige Erwachsene von ihren (Telefon-)Gesprächen abließen und sich den „Собачки“ („Sabatschki“ – Hündchen), mit einem Lächeln, näherten.

Was sind in Situationen wie diese ein Auto, ein Tablet oder Fernseher wert? Was zählt im Leben: die natürlichen, naturellen oder die künstlichen, materiellen Dinge? Womit wird die Frage beantwortet: mit Köpfchen oder Herzchen? Egal, ich verrate Eure Antwort nicht weiter. 😉

In einem Moment entschloss ich mich, mir ebenso etwas zu gönnen, weit ab von der Heimat und dem medial aufgedrückten Mainstream. Es ist nur eine kurze Auszeit – von meinem bisherigen Leben, quasi ein Tapetenwechsel. Nach intensiver Vorbereitungszeit tauschte ich mein abgelaufenes „Hamsterrad“ gegen eine völlig andere Welt ein. Neue Menschen, Kulturen und Sprachen. Damit ich nicht nur den üblichen Lüsten eines Mannes fröhne (dem Tee trinken & ausschlafen – natürlich!), wählte ich die jetzige, kalte Jahreszeit. Um mein Gehirn nicht ganz austrocknen bzw. hier in Vodka und Co. ertrinken zu lassen, entschloss ich mich, russisch zu lernen. Naja, damit zu beginnen. Diese Sprache spreche man einigermaßen nach vier bis fünf Jahren, bei täglicher Anwendung, heißt es, wenn ich einmal die Grammatik ausklammere. Die Sprache wird also weder für dem Heimgebrauch noch für die Arbeit benötigt.

 

So habe ich Glück, dass mir meine Gesundheit, der bisherige Fleiß und die eigene Biografie diese Reise ermöglichen.

Seit November letzten Jahres toure ich nun durch einige Ortschaften, die östlich von der Bundesrepublik liegen.

 

Meine letzte Station war Riga. Auch diese Stadt ist mittlerweile (hier niedergeschriebene) Geschichte.

Während die meisten von Euch fleißig in der Heimat ala „Und täglich grüßt das Murmeltier“ schindern, treibe ich mich weiter herum, in der Welt.

 

Nicht nur meine klamme Studentenbörse verhalf mir, bezüglich des Transportmittels von Riga aus, zu meiner nächsten Etappe, zu einer zügigen Entscheidung. Den Zuschlag erhielt ein estnisches Busunternehmen, dass mir für meine Reise ein vernünftiges Fahrzeug, mit westlichem Standard, also einer funktionierenden Heizung, bot. Ausschlaggebend waren ebenso die Abfahrtszeit und die kurze Reisedauer, im direkten Vergleich zum Zug. Die Fahrt mit diesem Bus war angenehm, entspannend und tatsächlich warm. Da er nicht ausgelastet war, durfte ich meinem Körper seinen gewünschten Freiraum geben.

Erneut verließ ich die EU. An der Grenze war man verwundert, dass ich erneut in das Land einreisen wollte, obwohl ich doch erst einige Tage zuvor aus jenem ausreiste. Ich erklärte in schlechtem russisch, dass ich Student bin, der die Sprache erlernen sowie die Menschen und Kultur kennenlernen möchte. Ein Blick des Grenzbeamten in meinen Pass, vermutlich auf mein Geburtsdatum, löste ein kleines schmunzeln hervor. Wie in den alten Agentenfilmen gab es dann den ersehnten Einreisestempel und schon befand ich mich wieder – auf russischem Hoheitsgebiet. Nach den üblichen Kontrollen ging die Fahrt weiter. Überpünktlich trafen wir am Zielort ein.

Mit meinem alten Reisetelefon und der noch immer gültigen SIM-Karte aus Moskau (gekauft im Sommer 2014), meldete ich mich beim Direktor meiner neuen Schule an. Eine Schule, die bei mir bereits jetzt einen Spitzenplatz eingenommen hat.

Im naheliegendem, beheiztem Bahnhof wartete ich auf den Fahrer, der mich vereinbarungsgemäß abholte und zu meiner neuen Gastfamilie brachte. Mit erstaunen stellte ich fest, dass ich nicht bei einer Gastfamilie untergebracht wurde. Vom Angebot des Sprachreisevermittlers und der Schule handelt es sich eher um eine Gemeinschaftsunterkunft, als die von mir gebuchte Leistung.

Zwei weitere Studenten wohnten dort, Anna aus Frankreich und Balent aus Kanada, die ebenfalls eine „Gastfamilie“ buchten. Die „Gastgeberin“ war selten zugegen, die neue Haussprache somit französisch. Da konnte selbst ich nicht mithalten. Die beiden gehen in die gleiche Schule wie ich, werden jedoch in einer Gruppe unterrichtet. Meine Schlafmöglichkeit war direkt neben der Küche, auf einer ausgeklappten Couch. Die Abtrennung erfolgte durch eine dünne Rigipswand, so dass sowohl morgens und abends als auch nachts die Geräuschkulisse unüberhörbar war. Einige Punkte kamen hinzu, die mir nicht gefielen.

Ein intensiver kommunikativer Austausch mit der Schule und dem Vermittler führten nach einiger Zeit zum Umzug – in eine neue „Gemeinschaftsunterkunft“. Nach weiterem Schriftwechsel erklärte der Sprachreiseverkäufer, lediglich „Vermittler“ zu sein. Kurz darauf wurde der Schriftverkehr von dort einseitig eingestellt. Also aufpassen beim buchen ! 😉

In meiner neuen Wohnung waren Parallelen zur alten erkennbar. Hier leben auf engstem Raum die „Gastgeberin“ mit ihrem Enkel, zwei italienische Studenten und ich. Meine Kommilitonen, sie heißen Julia und Lorenzo, sind wie Anna und Balent ebenfalls sehr liebe Menschen. Den „Opa-„Status habe ich in dieser Wohngemeinschaft an Lorenzo abgegeben – zumindest vorübergehend … Zwischenzeitlich beendete Lorenzo seinen Studienaufenthalt und kehrte heim. Dafür nächtigt nun der Freund, der Gastgeberin in der Wohnung …

Bei diesen „Gemeinschaftsunterkünften“ scheint es sich eher um ein Business zu handeln. Diese Art der Unterbringung ist nicht schlecht, jedoch auch deutlich günstiger als eben jene bei einer „echten Gastfamilie“. Die von der Schule angegebene, aktuelle, berufliche Tätigkeit, bezüglich meiner ersten „Gastgeberin“ hieß scheinbar nicht umsonst: „Unterkunftsmanagerin“. Mit einer „Gastfamilie“ hat die gebotene Unterkunft nicht viel zu tun. Andersherum bin ich ein neugieriger Student und Tourist. Natürlich könnte ich mich nun ärgern. Richtig, ich hätte mir die Welt nahezu kostenneutral und bequem vorm heimischen Fernseher oder PC anschauen können. Aber warum und wäre dies DAS LEBEN? Rein zufällig bin ich schon einmal hier und kann mir deshalb den Ort selbst anschauen – live. Jede Menge eigene Eindrücke durfte ich schon gewinnen. Zudem bin ich nicht auf die aufbereiteten „Infos“ von den Redakteuren aus den Medien angewiesen. Wobei, als Appetithäppchen sind diese manchmal ganz interessant, gel. 😉

In den letzten Tagen meines Kaliningradaufenthaltes schwenkte ich meine Entscheidung um und entschloss mich kurzerhand für die jetzige Sprachschule, die klein und familiär sei, wie es auf Nachfrage bei einer Agentur hieß. In der erwähnten Oblast machte ich gute Erfahrungen, mit einer kleinen Schule. Die hiesige Schule ist anders. Natürlich zählt auch sie wieder nicht zu den preiswertesten. Erstmalig war eine Schule nicht ordnungsgemäß -auf mich- vorbereitet. Schrecklich, das hört sich typisch deutsch an oder? 🙂 Den direkten Vergleich mit anderen Schulen vor Augen, auch russischen, schnitt diese – bereits am Anfang meines Aufenthalts – nicht gut ab. Einzelne angebotene Leistungen wurden erst auf intensiver Nachfrage erfüllt. Zudem wurde mitgeteilt, dass für eine Leistung separat Geld zu zahlen sei, die jedoch ausdrücklich über die Agentur mit eingekauft und bezahlt wurde.

Zugang zur ... ? Ja, die einzige Zutrittsmöglichkeit zu meiner Schule.

Zugang zur … ? Ja, die einzige Zutrittsmöglichkeit zu meiner Schule. Ein Türschild gibt es bis heute nicht und: hier sind zwei Schulen untergebracht, zumindest auf dem „Бумага“ („Bumaga“ – Papier).

Die anderen Schulen vermittelten mir von Anfang das Gefühl, professionell zu arbeiten, wobei ich ausdrücklich nicht die Optik der Schule einbeziehe.

Meine neue Lehrerin, die extra für mich und meinen Studienzeitraum von der Schule gebucht wurde, studierte Germanistik, weshalb sie sehr gut deutsch spricht. Nebenbei spricht sie englisch und französisch. Ihre Liebe gilt jedoch der italienischen Sprache. Als ehemalige Ballettänzerin kann sie kaum ruhig sitzenbleiben. Sie steht an der Tafel oder bewegt sich durch den Klassenraum. Ja, auch hier entschied ich mich für die Unterrichtung in der Schule, weil der Weg dorthin, von meiner Wohnung aus, tatsächlich nur vier bis fünf Gehminuten beträgt. Wohlgemerkt das, in dieser Ortschaft. Der wesentliche Bestandteil der Buchung, ein vernünftiger Einzelunterricht, wird also erfüllt.

Nachdem ich in den vergangenen Wochen in unterschiedlichster Art und Weise unterrichtet wurde, lege ich mein Hauptaugenmerk hier nur auf die Grammatik. Es bedurfte einer  Eingewöhnungsphase von knapp zwei Wochen, bis meine Lehrerin und ich uns auf einer Ebene gefunden haben. Nebenbei arbeite meine Lehrerin als Stadtführerin. Auch begleite sie hier vor Ort deutsche Medien bei Produktionen oder diene als Übersetzerin. Oftmals klingt es sehr interessant, schweift jedoch vom Unterricht ab. Was hier, genauso wie an ALLEN anderen Schulen (Ausnahme: Riga) nicht schön ist, ist die Tatsache, dass die Schüler, also der eigentliche Broterwerb der Schule, wohl nur die zweite Geige spielen. Bei den Unterrichtungen klingelten wiederholt die Telefone der Lehrkräfte (Anrufe und Kurzmitteilungen) oder es wurde mehrfach ins Tablet geschaut, ob neue elektronische Nachrichten im Postfach eingegangen sind. Die private Erreichbarkeit steht scheinbar bei fast all‘ genossenen Lehrkräften auf der Schwerpunktliste, vor der Arbeit bzw. dem Studenten.

 

Trotz dieser „lokalen Besonderheiten“ vergesse ich nicht, mein LEBEN zu genießen, mich zu erholen und eben auch diesen interessanten Ort zu erkunden, an dem ich mich aktuell befinden darf. Für mich besteht nicht die Pflicht, nach einer gewissen Zeit eine Prüfung in dieser Sprache abzulegen oder einen sonstigen Nachweis zu erbringen. Jeden Tag, an dem ich auf der Straße, im Cafe oder sonstwo ein Wort höre, dass ich kenne, erfreut mich mehr. Einen Zungenbrecher für Euch als Beispiel? Gerne: „достопримечательность“ („Dastaprimetschatelnost“ – Sehenswürdigkeit). Genau von diesen gibt es hier einige zu sehen. Wo vertiefe ich derzeit meine Sprachkenntnisse und schließe einige meiner Wissenslücken?

Mein neuer Aufenthalt ist:

... am Tag.

… am Tag.

Ok, zweiter Versuch:

... in der Nacht.

… in der Nacht.

Habt Ihr das Gebäude erkannt? Wenn Ihr den Namen des Museums hört, dann wisst Ihr sofort Bescheid …

Ihr habt keine Idee, wo ich gerade bin?

Kein Problem, ich gebe Euch noch ein wenig Bedenkzeit … bis dahin schlaft schön und träumt süß!

 

Eine gute Nacht wünscht

 

der Reisende 😉

 

der Reisende präsentiert: XUT Nomer 27 😉

XUT SA XUTOM (Hit auf Hit) – wer hat ihn Euch zuerst empfohlen ?

PS:

Macht‘ mehr, aus Eurem kurzen Dasein, auf diesem Planeten, dass Ihr Leben nennt. 🙂